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Gewerbeverband Aktuell

Neuregelung Steuern für Arbeitszimmer

Nach der derzeitigen gesetzlichen Regelung sind Aufwendungen (z.B. Miete, Abschreibungen, Schuldzinsen) im Zusammenhang mit einem als Arbeitszimmer genutzten Raum innerhalb der eigenen Wohnung (sog. häusliches Arbeitszimmer)steuerlich

- unbegrenzt abzugsfähig, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellt.
- in anderen Fällen bis zu einem Betrag von 1.250 Euro abzugsfähig, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Insbesondere wenn der betreffende Raum teilweise auch für andere (nicht steuerrelevante) Tätigkeiten genutzt wird, ist oft umstritten, ob überhaupt ein häusliches Arbeitszimmer im Sinne dieser Regelung vorliegt.
Die Finanzverwaltung erkennt einen Raum nur dann als ein häusliches Arbeitszimmer an, wenn dieser ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen oder beruflichen Zwecken genutzt wird; danach wäre lediglich eine private Mitbenutzung von weniger als 10% unschädlich.
Bereits bei einer höheren privaten Mitbenutzung könnten die Aufwendungen auch nicht anteilig (entsprechend der beruflichen Nutzung) berücksichtigt werden.

Dieser restriktiven Regelung ist der Bundesfinanzhof jetzt entgegengetreten. Eine Einschränkung auf eine (nahezu) ausschließlich berufliche Nutzung sei dem Gesetz nicht zu entnehmen.
Nach Auffassung des Gerichts ist der Begriff des Arbeitszimmers vielmehr am "Raumtypus" festzumachen. Arbeitszimmer sei ein abgeschlossener Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Spähre eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Aufwendungen für derartige häusliche Arbeitszimmer unterliegen - so der Bundesfinanzhof - nicht dem Aufteilungsverbot, auch wenn dort teilweise nichtberufliche Bürotätigkeiten erledigt werden. Danach können die Kosten nach den Grundsätzen über sog. gemischte Aufwendungen aufgeteilt werden; der anteilig - z.B. entsprechend der beruflichen Nutzungszeiten - zu berücksichtigende Aufwand wäre dann im Rahmen der Regelung des §4 Abs.5 Nr. 6b EStG abzugsfähig.
Da es sich hierbei um eine Frage mit grundsätzlicher Bedeutung handelt, hat der Bundesfinanzhof diesen Fall dem Großen Senat zur Entscheidung vorgelegt; diese bleibt abzuwarten.
Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Bundesfinanzhof die vorgenannten Ausführungen ausdrücklich nur auf abgeschlossene, einheitlich als Arbeitszimmer ausgestattete Räume bezieht, nicht dagegen auf "Wohnzimmer mit Arbeitsecke".
Zur Frage des Aufteilungsverbots in derartigen Fällen ist derzeit ein weiteres Verfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig.